Wirtschaftsbericht

GESAMTWIRTSCHAFTLICHE UND ­BRANCHENBEZOGENE RAHMEN­BEDINGUNGEN

Zu unserer Planungsbasis für das Geschäftsjahr 2015 gehörte ein gegenüber 2014 leicht stärkeres Konjunkturwachstum. Diese Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF)  und anderer Institute hat sich allerdings nicht bestätigt. Vielmehr erforderte eine sich abschwächende Wachstumsdynamik im Jahresverlauf mehrere Korrekturen der konjunkturellen Vorschauwerte. Letztlich war die Steigerung des globalen Bruttoinlandsprodukts mit 3,1 % geringer als im Vorjahr.

Wesentlich für diese Entwicklung war insbesondere die wirtschaftliche Lage in mehreren großen Schwellenländern. In China ging das Wachstum im Geschäftsjahr leicht zurück; was in diesem für KSB wichtigen Absatzmarkt auch die Nachfrage nach Industriegütern dämpfte. Die Volkswirtschaften in Brasilien und Russland verzeichneten sogar einen Rückgang ihrer Bruttoinlandsprodukte. Hierzu trug, neben weiteren Faktoren, die Lage an den Öl- und Rohstoffmärkten bei. Der Preisverfall bei Industrierohstoffen und Energieträgern beeinträchtigte auch in anderen Exportländern dieser Güter die Wirtschaftskraft und verringerte die Bereitschaft zu privaten wie staatlichen Investitionen.

Die genannten Entwicklungen berührten mittelbar zwar auch die Industrieländer, insgesamt setzte sich in diesen aber die konjunkturelle Erholung fort. Die exportorientierten Staaten der Eurozone, allen voran Deutschland, profitierten dabei von der Schwäche der gemeinsamen Währung. Dennoch blieb die Konjunktur der Euroländer hinter jener der USA deutlich zurück.

MASCHINENBAU MIT SCHWACHEM WACHSTUM

Die im Maschinenbau tätigen Unternehmen wie KSB hatten aufgrund der schwachen Konjunktur nur begrenzte Möglichkeiten, ihre Geschäfte auszuweiten. Abhängig von Produktionszweigen und regionalen Marktschwerpunkten war diese Einschränkung allerdings unterschiedlich stark.

Während der Umsatz mit Maschinen und Anlagen in der EU sowie in China im Berichtsjahr mit + 2 % leicht wuchs, verzeichneten andere Märkte einen Rückgang. Dies gilt insbesondere für Südamerika, wo die Umsatzwerte sogar um 12 % geringer waren als im Vorjahr. Der Maschinen- und Anlagenbau konnte daher seinen Umsatz in der globalen Betrachtung nur um 1 % steigern und blieb somit unter der Wachstumsrate von 2014.

UNEINHEITLICHE ENTWICKLUNG DER ABSATZMÄRKTE

Die Hauptabsatzmärkte für Pumpen und Armaturen haben sich 2015 über die verschiedenen Branchen hinweg erneut uneinheitlich entwickelt. Ein positiver Trend zeigte sich im verarbeitenden Gewerbe ebenso wie in der chemischen Industrie, was den Vertrieb von Standardpumpen förderte. Größere Vorhaben in der Chemiebranche tätigten die Unternehmen vor allem im Mittleren Osten und in den USA wegen der dortigen Kostenvorteile in der Produktion. Außerdem fragte die Wasser- und Abwasserwirtschaft in größerem Umfang als im Vorjahr Pumpen für Brunnen und Wasser-Pipelines sowie für Abwasser-Pumpstationen und Klärprozesse nach. Diese Branche muss sich in vielen Ländern auf die Versorgung einer wachsenden Bevölkerung einstellen sowie verschärfte Umweltschutzauflagen erfüllen. Auch Absperrarmaturen für die Wasserversorgung fanden einen aufnahmefähigen Markt. In einigen Regionen war außerdem eine positive Entwicklung im Baugewerbe zu verzeichnen, vornehmlich im Mittleren Osten und in Asien.

Dramatische Nachfrageeinbrüche verzeichneten hingegen die Branche Öl und Gas sowie die petrochemische Industrie. Von den Rückgängen betroffen waren vor allem die Hersteller von Pumpen nach API-Normen. Sie reagierten, abhängig von ihren geschäftlichen Schwerpunkten, mit Umstrukturierungen und Kostensenkungsprogrammen auf die Marktveränderung.

Die Bergbau-Unternehmen, die wie schon im Vorjahr unter einer verringerten Rohstoffnachfrage und zu niedrigen Preisen für ihre Produkte litten, hielten sich mit Investitionen zurück. Sie waren stattdessen bemüht, die Effizienz ihrer Anlagen zu erhöhen und Betriebskosten zu senken. Dies zeigte sich in einer geringeren Zahl an Neubestellungen bei gleichzeitig mehr Serviceaufträgen. Die Investitionsschwäche spürten besonders die Hersteller von Feststoffpumpen, zu denen die KSB-Tochter GIW Industries, Inc. gehört.

Weltmarkt für Kreiselpumpen und Armaturen

Quelle: KSB-Schätzung, European Industrial Forecasting (Februar 2016)

Auch im Schiffbau war der verminderte Bedarf an Gütern, einschließlich Industrierohstoffen, spürbar. Speziell Unternehmen, die Öl und Gas auf See transportieren, verringerten drastisch ihre Investitionen, was die Aufträge von Werften an die Zulieferindustrie limitierte. Für KSB ist der Marinesektor vor allem als Absatzmarkt für Tieftemperaturklappen relevant, die Ausrüster und Betreiber von Flüssiggas-Tankschiffen ordern.

Die Nachfrage der Energiewirtschaft nach Pumpen und Armaturen lag ebenfalls unter dem Vorjahresniveau, was zu einem guten Teil auf die strukturelle Neuorientierung in der Stromversorgung, mit dem bekannten Trend zu erneuerbaren Energien, zurückzuführen ist. In Europa gibt es seit Jahren nur wenige Vorhaben für konventionelle oder nukleare Kraftwerksbauten; in mehreren Schwellenländern kam es allerdings 2015 zur Vergabe von Aufträgen für konventionelle Anlagen. Chancen bot außerdem der Neubau von Kraftwerken mit kombinierten Gas- und Dampfturbinen in den USA.

In diesem gesamtwirtschaftlichen Umfeld verringerten sich die Umsätze deutscher Hersteller von Flüssigkeitspumpen, laut VDMA, gegenüber dem Vorjahr um real 4 %. Zu Jahresbeginn 2015 hatte der Verband eine Stagnation erwartet. Die Umsätze deutscher Produzenten von Industriearmaturen gingen real um 2 % zurück, während zunächst ein zweiprozentiges Wachstum prognostiziert war.

WETTBEWERBER NEHMEN ANPASSUNGEN VOR

Vom Boom in der Öl- und Gaswirtschaft sowie in der Petrochemie hatten in den vergangenen Jahren vornehmlich angelsächsische Pumpen- und Armaturenunternehmen profitiert. Sie versuchten 2015, die spezifischen Auftragsrückgänge durch geschäftliche Initiativen in anderen Branchen – oder aber im After-Sales-Geschäft – zu kompensieren. Dies führte zu einem erhöhten Preisdruck insbesondere bei Projekten in der Industrie- und Kraftwerkstechnik.

Mehrere Hersteller von Pumpen und Armaturen haben Kostensenkungsprogramme eingeleitet, um auf Marktveränderungen zu reagieren. Zu diesen Maßnahmen zählte eine dauerhafte Verringerung von Kapazitäten einschließlich der Aufgabe einzelner Werke. Standortschließungen fanden in Amerika, Afrika und Australien sowie in Europa statt.

Zugleich waren einzelne Pumpen- und Armaturenhersteller bemüht, durch Akquisitionen, Fusionen sowie Kooperationen ihre Marktposition zu stärken. Einer der bedeutenderen Zusammenschlüsse fand zwischen zwei US-Unternehmen in der Öl- und Gasindustrie statt, wovon das aktuelle KSB-Geschäft mit nur geringen Aktivitäten in diesem Industriezweig aber kaum betroffen ist.

Die Einsatzbereiche von Pumpen erfordern auf Seiten der Hersteller zum Teil spezifische technische Kenntnisse sowie ein genau passendes Produkt- und Leistungsprogramm. Wo diese nicht ausreichend waren oder sich die Geschäfte nicht profitabel entwickelten, haben einzelne Pumpenanbieter 2015 begonnen, sich aus Anwendungsbereichen wieder zurückzuziehen. Dies verbesserte die Absatzchancen der in diesem Markt verbleibenden Wettbewerber.

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